Wir wollen alle sehen!

Rollenfang

Um den Tisch die Schauspieler Jonas Sippel, Zora Shemm, Sebastian Urbanski und Juliana Götze in einen Workshop von Rollenfang (Foto: Panzlau/Prugger)

Der Stoff für Film- und Fernsehproduktionen ist nahezu unendlich. Und allzu oft sind es keine Topmodels, sondern Charakterdarsteller, die eine Rolle perfekt besetzen. Hier beginnt die Aufgabe von Schauspielagenturen, die ein Bindeglied zwischen Produktion und Schauspielern darstellen. Vielseitigkeit sollte hier gefragt sein, doch gerade Schauspieler mit Behinderung stoßen hier immer wieder an unsichtbare Grenzen.

„An staatlichen Schauspielschulen ist es für Menschen mit Behinderung nahezu ausgeschlossen, angenommen zu werden. Etwas größer sind die Chancen an privaten Schulen“, erzählt Wolfgang Janßen, der gemeinsam mit Matthias Brettschneider das Projekt Rollenfang ins Leben gerufen hat. Rollenfang ist eine Schauspielagentur, aber vor allem eine Plattform für Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung in Film und Fernsehen. Die Forderungen sind klar formuliert: „Wir wollen alle sehen, denn was wir nicht sehen, nehmen wir nicht wahr.“

„In Film und Fernsehen können Menschen mit Behinderung eine öffentliche Rolle einnehmen, die ihre gesellschaftliche Bedeutung sichtbar macht“, sagt Janßen. „Medien sollen das Leben abbilden, wie es ist. Und dazu gehören auch behinderte Menschen.“ Durch ihre langjährige Arbeit im Film- und Fernsehgeschäft verfügen Janßen und Brettschneider über das A und O der Filmbranche: Kontakte. Und so haben sie eine Charta für Inklusion im Film formuliert, für die sie bereits einige hochkarätige Unterstützer finden konnten. Dieter Kosslick, der Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, macht sich genauso stark für das Projekt wie Schauspielerin Eva Mattes und Regisseur Wim Wenders. Gemeinsam wollen die Unterzeichner Filmschaffende, Produzierende und Sender auf die Situationen von Menschen mit verschiedenen Behinderungen aufmerksam machen und Projekte fördern, die Menschen mit Behinderung bei ihrem Einstieg in den Schauspielberuf und ihrer professionellen Entwicklung unterstützen.

Wie eine solche Unterstützung konkret aussehen kann, benennt Janßen auch: „Es gibt viele inklusive Theaterprojekte, aber keines, das sich mit Film- und Fernsehen beschäftigt. Für den Sommer planen wir daher eine inklusive Summer School für junge Schauspielerinnen und Schauspieler. Wir geben zehn Teilnehmern ohne Behinderung und elf Teilnehmern mit Behinderung die Möglichkeit, intensiv und praxisorientiert am Thema Film, Kamera und Regie zu arbeiten. Wichtig zu erwähnen ist, dass alle Schauspieler bereits über erste Erfahrungen im Film verfügen sollen.“

Verschiedene bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler haben sich bereits verpflichtet, Patenschaften mit behinderten Nachwuchsschauspielern zu übernehmen, um ihnen einen Einstieg in die Film- und Fernsehwelt zu erleichtern.

Hören Sie hier das Interview mit Wolfgang Janßen aus der „Voll Normal“ Sendung vom 23. Februar 2016:

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