Wilma

Vor einiger Zeit lernte ich Wilma kennen, da war sie noch 12 Jahre alt und ging gerade in die siebte Klasse einer sogenannten Regelschule. Sie wollte es einfach mal probieren, wie es ist, mit anderen Kindern zusammen zu lernen. Die Sache hatte nur einen Haken: Wilma hat das Asperger-Syndrom und ist vielleicht in den Augen anderer ein wenig speziell. Aber das liegt wohl im Auge des Betrachters. Ich empfand sie als ein neugieriges, aufgewecktes Mädchen, wissbegierig und gar nicht in sich gekehrt. Und sie war sehr direkt. Das empfand ich aber als sehr angenehm: Sie sagt oder fragt, so wie sie es denkt oder so direkt, wie sie es wissen wollte. Da ist viel Ehrlichkeit in ihrem Wesen.

Ihre Mutter hatte mir erzählt, dass Wilma Gedichte schreibt und da irgendwo in den Tiefen meines Unterbewusstseins sich doch noch der Rest eines Klischees über Autisten versteckt hatte, wollte ich es einfach wissen. Ich lud Wilma und ihre Mutter in unsere Sendung „voll normal“ auf ALEX Radio ein und sie trug wunderbar emotionale Gedichte vor. Eines handelte von der Venus. Sie sollte für die Schule Material über diesen Planeten im Internet suchen, fand aber nichts, was ihren Vorstellungen entsprach und schrieb deshalb einfach ein Gedicht. So ist Wilma.

Schon damals hatten wir uns für einen weiteren Studiobesuch verabredet. Neben den Gedichten wollte ich natürlich wissen, was geht so im Kopf eines autistischen pubertierenden Teenagers vor sich. Wie meistert sie ihren Alltag, wie ist das Verhältnis zu anderen Jugendlichen. Wilma, inzwischen 13 Jahre alt, kam, war so quirlig wie das letzte Mal und erzählte bereitwillig über ihr Leben. Und natürlich brachte sie auch wieder zwei Gedichte mit.

Lassen Sie sich also überraschen und genießen Sie mein Gespräch mit Wilma, das nur einen deutlichen Fehler hat: Es ist zu kurz. Aber im Studio gibt es so ein ungenehmes Gerät, zu dem manche auch Uhr sagen, und dass unweigerlich und unmissverständlich den Takt vorgibt.

Wilma final

Natürlich habe ich die Gelegenheit für eine weitere Verabredung genutzt und ich freue mich schon sehr auf mein nächstes Gespräch mit Wilma und auf die Gedichte, die sie mir sicherlich wieder mitbringen wird.

 

Anmerkung:
Mit diesem Artikel beteiligt sich inclusio medien an den Blogertagen, die vom 1. – 3. März stattfinden und von einigen autistischen Blogern initiert wurden.  Das Programm ist hier nachzulesen. Inclusio medien möchte den Intiatoren für ihre Idee danken und ihnen viel Erfolg wünschen.

 

4 Gedanken zu “Wilma

  1. Großartig 🙂 Vielen Dank dafür.
    „Was ist eine Regelschule?“
    „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. hahaha.“ (o:
    Das Interview könnte wirklich länger sein, weil es interessant ist und man sich gut auf den Inhalt konzentrien kann. Ich habe den Eindruck, dass da noch mehr kommen könnte.

    • Ich habe auch viel Vergnügen bei diesem Interview gehabt. Wilma ist ein sehr angenehmer Mensch und ich bin glücklich, dass ich sie kennenlernen durfte. Wilma wird mich auch in Zukunft einmal im Monat im Studio besuchen und dann kannst Du mehr hören. Am besten, Du abonnierst den RSS-Feed, dann kannst Du nichts verpassen.

  2. Hallo,

    tolles Interview!
    Ich finde es gut, wie du auf die Situationen reagiert hast und nicht versucht hast, das Interview in eine Richtung zu führen.
    Man merkt, dass du dich auf sie eingelassen hast!

    Hat Spaß gemacht dem zuzuhören.

    Liebe Grüße

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