Und plötzlich schließt sich der Kehlkopf

Was haben Bruce Willis, Isaac Newton, Joe Biden, Winston Churchill, Charles Darwin und der Graf von Unheilig allesamt gemein? Sie stottern bzw. haben gestottert. Und das ist nicht verwunderlich, denn im Durchschnitt ist ein Prozent der Weltbevölkerung vom Stottern betroffen. In Japan genauso wie im Senegal. In Deutschland gehen wir von 800.000 stotternden Menschen aus. Dabei überwiegt der Anteil der Männer.

„Stottern ist genetisch bedingt.“, sagt Jürgen Kaulfuß, Vorsitzender des Landesverbandes Ost der Stotterer-Selbsthilfe. „Plötzlich bleibt man stecken, weil sich die Halsmuskeln verspannen, oder der Kehlkopf schließt sich.“. Und das passiert vor allem in Stresssituationen, wie Norbert Bender, ebenfalls vom Landesverband Ost, zu berichten weiß: „Den eigenen Namen zu nennen, ist für viele Stotterer ein großes Problem. Gerade in Vorstellungsrunden geht schnell der Puls hoch und der Blutdruck steigt. Und auch Telefonieren war früher eine Qual für mich.“

Stottern beginnt meist in der Phase des frühkindlichen Spracherwerbs zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahres. Wie es bei der einzelnen Person zum Stottern kommt, ist bis heute unbekannt. Als gesichert gilt, dass es im Wesentlichen auf einer körperlichen Fehlfunktion im Bereich der Verarbeitung von Nervensignalen für Sprache und Sprechen beruht. Auch eine motorische Störung der am Sprechen beteiligten Organe kann zugrunde liegen. Man kann davon ausgehen, dass eine Veranlagung zum Stottern vererbt wird.

„Wenn Sie im Alltag anfangen zu stottern, richten sich alle Blicke auf Sie. Dem muss man erst einmal standhalten.“, meint Jürgen Kaulfuß. Es gibt unterschiedliche Therapiemöglichkeiten, das Stottern zu heilen oder zu lindern. Im Laufe des Lebens kann es jedoch immer wieder zu Rückschlägen kommen. Die eigene Psyche spielt dabei eine große Rolle. Norbert Bender hat seinen ganz persönlichen Ansatz: „Eine Therapie ist auch das Leben – indem man sich dem Leben aussetzt, dazu steht und aktiv auf andere Menschen zugeht. Selbstvertrauen nimmt einem die Angst vor dem Stottern.“

Wie sollte man stotternden Menschen im Alltag begegnen? „Bloß ausreden lassen und nicht das Wort aus dem Mund nehmen.“, meint Jürgen Kaulfuß. „Zusätzlich hilft es, Blickkontakt mit dem Stotternden zu halten und nicht wegzuschauen.“ Für große Verwunderung sorgte Norbert Bender, als er kürzlich vor einer Gruppe sprach. Mit einem Augenzwinkern erzählt er: „Gleich am Anfang habe ich den Zuhörern gesagt, dass ich Stotterer bin. Im Anschluss habe ich ganz entspannt gesprochen, ohne auch nur einmal zu stottern. Das hat mir den einen oder anderen ungläubigen Blick eingebracht.“

Informationen zum Stottern finden Sie auf den Seiten der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e. V. unter www.bvss.de. Informationen über den Landesverband Ost der Stotterer-Selbsthilfe gibt es unter www.stottern-lv-ost.de. Und hier finden Sie den Beitrag zum Welttag des Stotterns von „Voll Normal“:

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