Sind Screeninguntersuchungen sinnvoll?

Sind Screeninguntersuchungen zur Krebsfrüherkennung sinnvoll?

Für Krebserkrankungen im Frühstadium besteht eine gute Aussicht auf Heilung. So war zumindest die gängige Auffassung bisher. Plakate, Internetseiten und Werbespots rufen die Bevölkerung dazu auf zur ‚Krebsvorsorge’ zu gehen. Viele Schauspieler, Sänger und andere Prominente werben dafür. „Dabei wird bisher kaum angesprochen, dass Screening-Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung auch Schaden anrichten können und ihr Nutzen manchmal überschätzt wird“, sagt Prof. Dr. Gabriele Meyer. Sie ist Direktorin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) und Vorsitzende des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e.V.

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Warum es Screening-Untersuchungen gibt

Bei Screening-Untersuchungen werden möglichst viele gesunde Menschen untersucht, die eine bestimmte Krankheit wie zum Beispiel Krebs haben könnten. Ergeben sich nach diesem ersten ‚Siebtest’ verdächtige Befunde, werden sie durch weitere Untersuchungen abgeklärt. Durch das Screening sollen Krankheiten erkannt werden wenn sie noch keine Beschwerden verursachen, um sie mit dem Ziel einer Heilung zu behandeln. „Screening macht vor allem dann Sinn, wenn die Erkrankung, um die es geht, häufig ist, wenn die Untersuchungsmethoden sicher und zuverlässig sind und wenn es eine wirkungsvolle Behandlung der früh erkannten Krankheiten gibt.“ erklärt die Hallenser Forscherin.

Den Nutzen von Screening-Untersuchungen besser prüfen

Es gibt aber eine Schattenseite. Solche ‚Siebtests’ können nämlich auch nutzlos sein oder gar Schaden anrichten, weiß Gabriele Meyer: „Es ist zum Beispiel möglich, dass die Verdachtsdiagnose Brustkrebs gestellt wird, obwohl die Frau gesund ist. Ebenso kann es passieren, dass jemand nach der Untersuchung Entwarnung bekommt aber dennoch einen Brustkrebs hat.“ Es gibt auch Krebserkrankungen, die zeitlebens gar keine Beschwerden verursachen würden. Ihre Behandlung wäre unnötig und würde die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Wissenschaftler, einige Verbraucherverbände und auch der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Frank Ulrich Montgomery fordern deshalb, den Nutzen von Screening-Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung auf den Prüfstand zu stellen. Für den Nutzen einer Screening-Untersuchung wird in Studien ein Vergleich herangezogen. Man vergleicht in zwei Personengruppen die Anzahl der Todesfälle über einen bestimmten Zeitraum. Die eine Gruppe hat regelmäßig am Screening teilgenommen, die andere nicht. Wenn sich die Zahl der Todesfälle in beiden Gruppen nicht wesentlich unterscheidet, ist der Nutzen des Screenings fraglich.

Gute Informationen sind wichtig

Viele Menschen sind in der gegenwärtigen Diskussion verunsichert. Sollen sie nun am Screening zur Krebsfrüherkennung teilnehmen oder nicht? „Es geht ja nicht darum, das Screening zu verteufeln. Es geht vielmehr darum, dass alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zu verständlichen und aktuellen Informationen zum Nutzen und Schaden des Screenings haben. Die können sie dann mit ihren Ärztinnen und Ärzten besprechen und so besser entscheiden, ob sie an einer solchen Untersuchung teilnehmen“, fasst die Expertin zusammen.

Eine gute Möglichkeit ist, dem Arzt Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Wieviele Menschenleben durch das Screening gerettet werden können; Wie oft es vorkommt, dass eine Verdachtsdiagnose gestellt wird, obwohl man die Krankheit gar nicht hat; Wieviele Menschen Entwarnung bekommen und die Erkrankung dann doch haben; und: Ob es Alternativen zur Screening-Untersuchung gibt, die Erkrankung zu erkennen.

Aus der Reihe “Fit als Patient” von Dr. Sylvia Sänger
Der nachfolgende Textbeitrag zu diesem Thema ist erschienen in:
Berliner Behindertenzeitung BBZ, Ausgabe 07/2014

 

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