Morgen sieht es anders aus …

»Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. « (Richard von Weizsäcker).

zeichnung morgen geht es besserBettina Unger, Jahrgang 1968, geboren in einer süddeutschen Kleinstadt, erkrankt 1991 an Multipler Sklerose (MS). Ihre Erlebnisse, Ängste und Hoffnungen beschreibt sie in ihrem Buch »Du rockst, ich roll«. Erschienen ist der Titel im Diana-Verlag, der zur Verlagsgruppe Random House gehört, am 21. Mai 2012.

Bettina und Kalle teilen sich eine Wohnung in Köln. Sie sind Studenten und führen noch ein unbeschwertes Leben in ihrer WG. Sie liegen an einem Sonntagabend gemütlich mit ihren »Hausklamotten« vor dem Fernseher. Bier, Chips und Pommes verschwinden nach und nach in ihren Mägen, während »Mönch William von Baskerville« in dem Film »Der Name der Rose« einen Mordfall aufklärt.

Plötzlich bemerkt Bettina, dass sie nicht mehr richtig sehen kann. »Ein grauer Schleier hat sich über ein Auge gelegt«. Sie ist beunruhigt, bekommt Angst, sie will mit Kalle darüber reden. Er ist in den Film vertieft, und reagiert verständnislos. Bettina ist sprachlos bei so viel Desinteresse. Sie zieht sich innerlich zurück, ahnt nicht, dass sie schwer krank ist.

Verständnis und Mitgefühl sind die Dinge, die Bettina in den Jahren seit ihrer Erkrankung immer wieder mal sehr vermisst. Viele Ärzte begegnen ihr mit Kälte und Distanz. Der Neurologe, der die Diagnose MS aufgrund einer Kernspintomographie stellt, ist nicht bereit mit ihr persönlich zu reden. Sie bekommt in der Praxis einen Brief in die Hand gedrückt – »Für den Hausarzt« – steht darauf. Ihre Gefühle dazu schildert sie mit den Worten: »Erst war ich überrascht, dass der Neurologe anscheinend nicht mit mir reden wollte. Mit jeder weiteren Sekunde wurde ich wütender. Das war unverantwortlich«!

Es folgt eine lange Zeit, in der Bettina nicht nur gegen die MS kämpft. Sie hat Probleme offen über ihre Krankheit zu reden. Immer wieder findet sie Ausflüchte, wenn Menschen sie beispielsweise auf ihren unsicheren Gang ansprechen. Nur langsam und durch viel Geduld, in diesem Fall von ihrer Freundin Nadia, ist sie schließlich bereit, sogar den verhassten Rollstuhl zu akzeptieren.

Bettinas enorme Willensstärke hilft ihr die schweren Lähmungen fast zu überwinden, die ihr nach einem MS-Schub bleiben. Sie setzt sogar ihr Studium fort. Ein Auslandsstipendium führt sie nach Valenciennes (Frankreich) und Paris. Später zieht sie nach Berlin, wo sie in ihrem Fach Literaturwissenschaften promoviert, selbst gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Eltern.

Als Frau fühlt sie sich nicht mehr begehrenswert, doch dann tritt eines Tages Sandro in ihr Leben. Bei ihm fühlt sie sich verstanden, geborgen und geliebt. Er nimmt sie so an, wie sie ist, sie ziehen zusammen.

In dem Buch »Du rockst, ich roll«, begegnet dem Leser eine lebenslustige junge Frau, die durch eine unheilbare Krankheit aus ihrem gewohnten Leben gerissen wird. Sie schreibt über die „Lebensunsicherheiten“ und darüber, dass man die Krankheit „aushalten“ muss.

Fazit: Dem Leser wird eine Krankheit vorgestellt, die durch Bettina ein Gesicht bekommt. Ihre Erlebnisse zeigen, wie schnell ein normales Leben aus den Fugen geraten kann, dass nichts mehr selbstverständlich ist. Die ganze Lebensplanung steht plötzlich auf dem Kopf. Der Leser bekommt ein Gefühl dafür, dass MS eine Krankheit ist, die man nicht einschätzen kann. Jeder Tag kann neue ungeahnte Probleme mit sich bringen. Bei MS ist nur eins ganz klar: „Morgen sieht es anders aus“.

Lesen Sie dazu auch den Artikel über Uschi Bökesch, die ebenfalls an MS erkrankt ist.

 

 

 

 

 

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