Gesundheit: Keine Entscheidung ohne mich!

„Man hat mir gesagt, wir machen das so und so, was wollen Sie dann sagen? Man macht das was die Ärzte sagen…“, sagte ein Patient bei einer Umfrage für eine Studie. Diese Situation hat sicher jeder schon einmal erlebt. Das lateinische Wort ‚patiens’ bedeutet geduldig, aushaltend, ertragend. Also doch: Der Arzt verordnet, der Patient befolgt ‚geduldig’ die ärztliche Anordnung? So war das zumindest früher. Heute sollen Ärzte und Patienten partnerschaftlich und auf Augenhöhe gemeinsam entscheiden.

Nichts über mich ohne mich

Dieser Wahlspruch der Selbsthilfe gilt eigentlich immer. Ein Großteil der Bürger möchte zu allen Gesundheitsfragen gerne gemeinsam mit dem Arzt entscheiden. Sie haben auch ein Recht darauf! Die stärkere Beteiligung von Patienten an Gesundheitsentscheidungen ist sogar im Patientenrechtegesetz verankert. Wir wissen heute aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass Menschen, die sich an Entscheidungen zu ihrer Gesundheit beteiligen, mehr über ihre Erkrankung wissen, bessere Behandlungsergebnisse erzielen und zufriedener mit ihrer Behandlung sind. Aber nicht nur die Patienten sind zufriedener, die Ärzte sind es auch!

 

Was ‚gemeinsam entscheiden’ bedeutet

Gemeinsam entscheiden bedeutet, dass Ärzte verständlich alle Behandlungsmöglichkeiten erklären, die in Frage kommen und Patienten den Mut haben, ihre Bedürfnisse aber auch Ängste und Sorgen anzusprechen. Ärzte und Patienten wägen nach diesem Austausch den Nutzen und die Risiken jeder Behandlungsmöglichkeit ab. Danach entscheiden beide gemeinsam, was im speziellen Fall das Beste ist.

 

Mut zum Gespräch

Lassen Sie ihre Ärzte wissen, dass Sie genau erklärt bekommen und verstehen möchten, was Ihnen fehlt und welche Möglichkeiten der Behandlung in Frage kommen. Sprechen Sie Ihre Befürchtungen an. Sagen Sie Ihren Ärzten auch, was Sie auf keinen Fall möchten. Das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Gespräch auf Augenhöhe ist nicht allein Sache der Ärzte. Sie können ebenfalls viel dafür tun, dass es gelingt. Wer krank ist, darf ruhig ‚patiens’, also ein Leidender sein und auf Mitgefühl hoffen. Er darf aber auch gemeinsam mit dem Arzt entscheiden!

 

Verhalten verändern

„Gemeinsam entscheiden… gut und schön. Mein Arzt würde sich darauf nicht einlassen“, hat mir einmal eine Teilnehmerin an einer Patientenschulung gesagt. Das partnerschaftliche Gespräch ist noch nicht überall Alltag. Ärzte werden heute darin geschult so zu handeln, aber auch jeder Bürger hat es in der Hand, den partnerschaftlichen Umgang von medizinischen Experten und sich selbst als Experten in eigener Sache in die Praxis einzuführen. In jedem Fall gilt aber: Fragen, fragen, fragen! Denn: Nichts über Sie ohne Sie!

Autor: Dr. Sylvia Sänger
Veröffentlicht in der Berliner Behindertenzeitung 9/2013, Seite 14

Hier können Sie einen Beitrag zum gleichen Thema hören, der am 3. September 2013 in der Sendung „Voll normal“ auf 88,4 gesendet wurde:

gemeinsam entscheiden

Der Tipp aus dem Netz: Gemeinsam entscheiden, wie geht das?

https://faktencheck-gesundheit.de/tipps-und-hilfen-fuer-patienten/gemeinsam-entscheiden/

www.patient-als-partner.de

 

Quellen:

Dirmaier/Härter. „Partizipative Entscheidungsfindung: Patientenbeteiligung bei Behandlungsentscheidungen in der medizinischen Versorgung“, verfügbar unter: http://bit.ly/1c69Zd2 (2012).

Ludt S et al. Die Patientenperspektive jenseits ambulant-stationärer Sektorengrenzen, http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1348226.

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