Fit als Patient: Arztbesuche vorbereiten – Ist das notwendig?

Wann war Ihre letzte Tetanusimpfung? Ja, wann war das bloß? Gibt es chronische Krankheiten in Ihrer Familie? Wenn ich das wüsste! Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein? Die Gelben, ach wie heißen die jetzt bloß, das fällt mir im Moment nicht ein…Solche Situationen hat sicher jeder schon einmal erlebt. Der Arzt fragt etwas und man kann einfach nicht antworten. Und wichtige Fragen fallen manchen Menschen erst ein, wenn sie das Behandlungszimmer längst wieder verlassen haben. Es spricht also Vieles dafür, sich auf einen Arztbesuch vorzubereiten. Aber wie soll das gehen? Es gibt Arztbesuche die man planen kann. Manchmal treten aber auch unvermittelt starke Beschwerden auf, bei denen man sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus muss. Was dann? Die Angaben der Patienten sind der erste Schritt zur Diagnose

Ärzte behandeln in der Woche rund 224 Patienten und haben für jeden ihrer Patienten im Durchschnitt acht Minuten Zeit [i]. Diese Zeit muss gut genutzt werden. Das Arzt-Patienten-Gespräch spielt dabei eine große Rolle. Bei 90 von 100 Patienten führt eine genaue Befragung durch den Arzt verbunden mit einfachen Untersuchungen zur richtigen Diagnose[ii]. Da ist es gut, wenn Patienten auf jede Frage auch eine Antwort geben können. Der Arzt muss wissen, welche Beschwerden der Patient im Moment hat, welche anderen Erkrankungen außerdem vorhanden sind, welche Medikamente der Patient einnimmt, welche schweren Erkrankungen es in der Familie gab und ob der Patient an Allergien oder Unverträglichkeiten leidet. „Viele Menschen wissen darüber nicht Bescheid“, beklagt Dr. Stephan Gotsmich. Der Allgemeinmediziner aus Landshut würde es gut finden, wenn Patienten ihre Krankengeschichte kennen und auch selbst eine Vorstellung davon haben, was in der Behandlung passieren soll. Auch auf Fragen nach Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Trinken oder nach sportlicher Betätigung sollten Patienten vorbereitet sein. Diese Angaben können zu ihrer Sicherheit beitragen. „Manche Nebenwirkungen von Medikamenten hängen mit der Lebensweise zusammen. Es kann die Behandlung schwierig machen, wenn der Arzt nichts über die Lebensgewohnheiten seiner Patienten weiß,“ sagt Dr. Gotsmich. Patienten müssen aber keine Sorge haben, denn alles, was sie ihren Ärzten mitteilen, unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.

Arztbesuche bereits von langer Hand vorbereiten

Unabhängig davon, ob gerade ein Arztbesuch ansteht, sollte man immer vorbereitet sein und stets alle wichtigen Informationen aktuell halten und parat haben. Einige Selbsthilfeorganisationen und auch Kliniken bieten für bestimmte Erkrankungen sogenannte ‚Befundordner’ oder ‚Patientenordner’ an, die bereits wichtige Informationen zu den Erkrankungen oder Antworten zu sozialrechtlichen Fragen enthalten. Man kann sich einen solchen Ordner aber auch selbst anlegen. Was dort immer hinein gehört, ist:

  • eine Liste zu allen aktuellen Medikamenten und zugehörigen Erkrankungen
  • eine Zusammenstellung der eigenen Krankengeschichte und wichtiger Erkrankungen in der Familie
  • Angaben zu Allergien und Unverträglichkeiten
  • sämtliche Pässe und Ausweise wie Impfausweis, Röntgenpass, Brillenpass, usw.
  • Befunde und Arztbriefe

Bei Patienten mit seltenen oder chronischen Erkrankungen sind solche Patientenordner bereits zur Selbstverständlichkeit geworden. Es lohnt sich aber für jedermann einen solchen Ordner zu führen. So hat man in Bedarfsfall alle wichtigen Informationen zusammen. „Oft reicht es aus, den letzten Arztbrief zum aktuellen Arztbesuch mitzunehmen. Dort sind auch alle Vorbefunde angeführt“, empfiehlt Dr. Gotsmich. Den muss man aber erst einmal haben! Besonders wenn man bei verschiedenen Ärzten oder Fachärzten in Behandlung ist, ist es deshalb wichtig, die Ärzte um eine Zusammenstellung aller Befunde zu bitten. Nur so kann man sich selbst -und beim nächsten Besuch auch den Arzt- auf dem neuesten Stand halten.

Direkt vor dem Arztbesuch

Vor einem geplanten Arztbesuch sollte man sich alle Fragen überlegen und notieren, die man dem Arzt stellen möchte. Dazu gehören auch allgemeine Fragen die helfen, die eigene Erkrankung zu verstehen, wie: Was ist mein hauptsächliches Problem? Was muss jetzt getan werden? Warum ist das so wichtig, dass das getan wird?3 Es ist gut, immer nach allen Behandlungen zu fragen, die möglich sind und sich über den Nutzen und die Nebenwirkungen dieser Behandlungen zu erkundigen. Wer bereits Medikamente einnimmt, sollte die Übersicht über diese Medikamente zum Arztbesuch mitnehmen. In diese Übersicht müssen auch alle Medikamente eingetragen werden, die man sich frei verkäuflich selbst in der Apotheke besorgt hat, denn auch pflanzliche Präparate können in Verbindung mit anderen Medikamenten zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. So ist man für den nächsten Arztbesuch gut gerüstet!

Autor: Dr. Sylvia Sänger
Dieser Artikel wurde in der Berliner Behindertenzeitung 10/2013, S. 14
Hier können Sie einen Beitrag zum gleichen Thema hören, der am 15. Oktober 2013 in der Sendung “Voll normal” auf 88,4 gesendet wurde:

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[ii] Gute Pillen – Schlechte Pillen (Herausgeber). Gut vorbereitet zum Arzt – So wird Ihnen geholfen. Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2005/02. Seite 1

3 National Patient Safety Foundation. Ask me 3. verfügbar unter http://www.npsf.org/for-healthcare-professionals/programs/ask-me-3/

Ein Gedanke zu “Fit als Patient: Arztbesuche vorbereiten – Ist das notwendig?

  1. Sich einem Arzt Stellen bedarf in der Tat einer Vorbereitung, denn es ist etwas zweiwegieges, denn auch dem Profi fällt es leichter dem Job als Arzt nachzugehen, wenn der Patient auf die Konfrontation eingestellt ist. Ärzte Stellen Diagnosen auch präziser, wenn der Kunde es weiss auszudrücken, was ihn oder sie belastet und nicht dem Normalen entspricht.

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