Fachtagung Barrierefreies Bauen

Die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks hat am 22. und 23. Juni 2017 zur jährlichen Fachtagung nach Berlin eingeladen. Das Thema war Barrierefreies Bauen in Hochschulen und Studentenwerken. Für unsere Radiosendung Voll Normal auf Alex-Radio 91,0 MHz waren wir vor Ort. 

 

Viele Redner und noch mehr Zuhörer von verschiedenen Hochschulen Deutschlands waren gekommen. Sie diskutierten darüber, wie man in Zukunft barrierefreies Bauen besser umsetzten sollte. Was sollte man als Bauherr und als Architekt unbedingt beachten, damit alle Studierenden die Gebäude nutzen können?

 

Was es bedeutet, wenn man durch bauliche Hindernisse behindert wird, hat Bernd Mölter mit seinem Team von der Universität Würzburg vor Ort veranschaulicht. Während der Pausen konnte man sich im Rollstuhl auf holperigem Untergrund oder auf einer viel zu schrägen Rampe versuchen.

 

Auf dem Rollstuhl-Parcours:

 

Bei den Vorträgen der Tagung wurden unglaubliche Beispiele für misslungenes barrierefreies Bauen gezeigt. So enden bei Neubauten teilweise Handläufe auf der Mitte der Treppe, es gibt keine Rampen an Haupteingängen und Bedienelemente sind für Rollifahrer oder kleine Menschen unerreichbar. Besonders die sinnesbeeinträchtigten Studenten werden oft vergessen. Da gibt es dann weder Brailleschrift auf Tafeln, noch gibt es Induktionsschleifen in Hörsälen. Auch taktile und kontrastreiche Leitliniensystem finden viel zu selten Anwendung.

Die einfache, aber doch grundlegende Frage die sich da stellt ist: Woran scheitert es, dass bei neuen Hochschulgebäuden trotz modernster Baukunst die Barrierefreiheit immer noch nicht zum Standard gehört? Das diskutierten während der Podiumsdiskussion der Tagung erfahrene Vertreter der verschiedenen Interessengruppen. Dabei waren:

  • Felix Welti von der Universität Kassel, Professor für Sozial- und Gesundheitsrecht, Recht der Rehabilitation und Behinderung (1. von links)
  • Carmen Kunath vom Studentenwerk Dresden, Geschäftsbereich Immobilien und Bau (2. von links)
  • Petra Denkel, Projektmanagering vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland Pfalz, (2. von rechts)
  • Axel Wibbelt von der Technische Universität Dortmund, Architekt und Leiter der Abteilung Baumanagement, (1. von rechts)
Siegurd Seifert (mittig) hat die Diskussion moderiert. Hören Sie hier einen Ausschnitt daraus:

 

Es hapert vor allem daran, dass die Gesetzte zu abstrakt sind und Bau-Ausschreibungen nicht detailliert genug definiert werden. Außerdem sollten betroffene Studenten standardmäßig mit einbezogen werden. Nur so kann man herausbekommen, was die beeinträchtigten Studenten brauchen. Auch beim Hochschulbau sollte demnach gelten: Nichts über uns ohne uns! Besonders die Bedürfnisse der sinnesbeeinträchtigten und psychisch erkrankten Studenten sollten zukünftig von den Bauherren und Architekten stärker berücksichtigt werden.

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