Es war brutaler Massenmord

Hubert Hüpe hält das GrußwortEuthanasie heißt eigentlich „schöner Tod“. Das war er nun ganz und gar nicht. Die Ermordung von behinderten und psychisch erkrankten Menschen war nichts weiter als ein brutaler Massenmord. Die ersten Opfer wurden in graue Busse gesperrt, der Motor laufen gelassen und sie sind überhaupt nicht friedlich eingeschlafen, sondern unter großer Angst und in schrecklicher Einsamkeit gestorben. Ihr Verbrechen: Sie waren behindert oder krank und deshalb nicht arbeitsfähig. Darin liegt eine der großen Infamien dieses Programms: Nachdem die Ärzte, Beamten und wer noch alles an der Zusammenstellung der Listen mitarbeitete, dies in deutscher Gründlichkeit taten, wurden sie von der SS gerügt. Die wollte die arbeitsfähigen herausfiltern, sie sollten so schnell nicht sterben.

Diesem Thema widmet sich eine Veranstaltung im Kleisthaus in Berlin unter dem Titel „NS-‚Euthanasie‚ – Verbrechen in europäischer Perspektive, die vom 28. – 30. Januar stattfindet. Diese Konferenz „verdeutlicht noch einmal die Größe des Vernichtungsprogramms an behinderten Menschen“, betont Hubert Hüpe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, Hausherr und Schirmherr der Veranstaltung. „Behinderte Menschen waren die ersten Opfer, die organisiert ermordet wurden“. Die Teilnehmer sind aus über 20 Ländern angereist, 28 Referenten aus fünf Staaten werden Vorträge halten und Diskussionen leiten.

Diese Veranstaltung reiht sich damit in die virtuelle Gedenkstätte t4 ein. Es ist eine Internet-Adresse, die sozusagen ein Netz-Denkmal darstellt. Barbara John, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin betont, dass im Netz das Andenken noch wirkt, wenn die Betroffenen nicht mehr da sind. „Heute geht es natürlich nicht mehr um solche Verbrechen“, erklärt sie, „heute geht es um ganz banale Dinge. Die sind nicht verbrecherisch, aber die sind gedankenlos. Sie sind nicht einfühlend. Sie sind nicht erspürend.“ Die UN-Behindertenrechtskonvention verlangt von uns das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung. „Nimmermüde Mitmenschlichkeit, die immer da sein muss!“ Das ist die Lehre, die aus diesen schrecklichen Verbrechen gezogen werden muss.

 

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