Endlich in Sicherheit – und was kommt dann?

Täglich erreichen uns Nachrichten über Flüchtlinge, die unter Lebensgefahr und auf abenteuerlichen Wegen nach Deutschland gekommen sind. Viele Übergangsheime haben längst ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Doch was folgt nach der Unterbringung? Die Not geht weiter, denn die Geflüchteten leben unter beengten Verhältnissen und haben keine Rückzugsmöglichkeiten. Viele von ihnen dürfen nicht arbeiten. Die Heimleitungen sind überfordert und die Menschen sind häufig sich selbst überlassen. Konflikte sind vorprogrammiert.

Der „Freundeskreis zur Unterstützung der Asylbewerber in Teltow“ im „Voll Normal“-Studio. (v.l.: Steve, Ulla van Dorp, Masoudi, Moderator Sebastian Bayer, Claudia Rashied und Rigobert).

Der „Freundeskreis zur Unterstützung der Asylbewerber in Teltow“ im „Voll Normal“-Studio. (v.l.: Steve, Ulla van Dorp, Masoudi, Moderator Sebastian Bayer, Claudia Rashied und Rigobert).

Steve stammt aus Kenia und lebt seit mehr als einem Jahr im Übergangsheim in Teltow bei Berlin. Auf die Frage, was er den ganzen Tag mache, überlegt der gelernte Kfz-Mechaniker eine ganze Weile: „Ich schlafe lange, und oft mache ich nichts. Aber am Freitag kommt Claudia und dann haben wir Deutschunterricht.“ Seine Augen leuchten, als er von den freiwilligen Unterstützerinnen erzählt, die sich zum „Freundeskreis zur Unterstützung der Asylbewerber in Teltow“ zusammengeschlossen haben.

„Wir geben den Menschen Struktur und eine Beschäftigung. Wir lernen mit ihnen Deutsch, unterstützen sie bei Behördengängen, kochen mit ihnen oder machen gemeinsame Ausflüge“, sagt Claudia Rashied, die zusammen mit Jutta Henglein-Bildau und Ulla van Dorp den Freundeskreis organisiert. „In unserem Heim leben hochqualifizierte Menschen und es ist schlimm, dass viele sich selbst überlassen sind.“ Langfristiges Ziel des Freundeskreises ist es, die Bewohner des Heims in Arbeit zu bringen, so dass sie sich selbst versorgen können.

Masoudi stammt aus Afghanistan. In seiner Heimat war er Radiomoderator. Der junge Journalist träumt davon, ein Praktikum bei einem Berliner Rundfunksender machen zu können. „In unserem Heim ist es sehr eng“, erzählt er. „Es gibt kaum einen Ort, an dem ich ungestört sein kann. Wir leben zu viert in einem Zimmer. Spätestens nachts, wenn wieder einmal jemand auf die Idee kommt, zu kochen, gibt es Streit.“

Im Teltower Flüchtlingsheim gibt es auch Menschen mit Behinderung, doch eine entsprechende Betreuung ist beinahe unmöglich. Schon ein einfacher Arztbesuch wird zum Verwaltungsakt: Wer krank ist, benötigt einen Berechtigungsschein zum Arztbesuch von der Heimleitung. Dann wird beim zuständigen Sozialamt ein Antrag auf medizinische Behandlung gestellt. Erst wenn die Genehmigung vorliegt, darf der Geflüchtete einen Arzt aufsuchen. „Viele Menschen sind schon längst wieder gesund, wenn sie endlich die Genehmigung zum Arztbesuch erhalten“, erzählt Ulla van Dorp.

Am 21. Juli besuchten Claudia Rashied und Ulla van Dorp mit den Heimbewohnern Masoudi, Rigobert und Steve das „Voll Normal“-Studio. Für die drei jungen Männer aus Afghanistan, Kenia und dem Kongo war es sehr aufregend, in einer Sprache, die sie erst seit kurzem lernen, live ins Mikrofon zu sprechen. Hier das komplette Studiointerview:

Studiotalk_Freundeskreis

 

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