Eindrücke vom Welt-MS-Tag 2013

Eindrücke vom Welt-MS-Tag 2013 in Berlin 

 

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Fröhliche Trommelschläge beim Welt-MS-Tag in Berlin

Bum, bum, bum di bum, die Trommeln lassen mit ihren Bässen den Boden am Paretzer Platz 1 in Berlin-Wilmersdorf leicht beben. Ein weiteres Vibrieren stammt von den schweren Doppeldeckerbussen, die beim Anfahren an der Haltestelle ihre Motoren auf Touren bringen. Vor dem Eingang der »Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft« (DMSG) stehen Tische und Stühle. Die Mitarbeiter und freiwilligen Helfer haben den Platz kurzerhand in ein Straßencafé verwandelt. Sie Sonne strahlt mit den Festgästen um die Wette. Die DMSG hat zum »Welt-MS-Tag« eingeladen. Zum fünften Mal feiert die Berliner Gruppe, hier im Herzen der Stadt diesen Tag.

Viele Gäste kommen mit ihren Rollstühlen oder sie stützen sich auf Krücken. Die Krankheit Multiple Sklerose hat ihre Körper gezeichnet und geschwächt. Man merkt einigen von ihnen an, wie mühsam es geworden ist, sich durchs Leben zu bewegen. Und trotzdem liegt auf dieser Festversammlung ein Frohsinn und Optimismus, der ansteckend wirkt.

Pünktlich um 14.00 Uhr beginnen die Festlichkeiten. Die Mitglieder der Trommelgruppe schauen zu Ihrem musikalischen Leiter, der gibt den Takt vor – eins, zwei, eins, zwei, drei und vier, dann geht es los. Die Musikanten streichen leise die Oberflächen ihrer Instrumente, steigern das Tempo und die Rhythmik. Der Chor der DMSG setzt ein, und im Nu summen Gäste die teilweise bekannten und vertrauten Melodien leise mit. Begeisterter Applaus belohnt die Musikanten für Ihre Darbietung.

Dr. Bettina Unger liest aus ihrem Buch "Du rockst, ich roll"

Dr. Bettina Unger liest aus ihrem Buch „Du rockst, ich roll“

Im Foyer der DMSG können sich die Gäste mit Kuchen, Tee, Kaffee und anderen Leckereien bedienen. Anschließend liest Bettina Unger aus ihrem Buch »Du rockst, ich roll«, und die Gäste hören voller Spannung zu. Unger hat ihre persönliche Geschichte mit der Diagnose MS vor kurzem in diesem spannenden Buch veröffentlicht. Heute Nachmittag hören die Gäste die fröhlicheren Passagen dieses Werkes. Sie beschreibt die verschiedenen »Typen« von Taxifahrern, die ihr im Laufe des Lebens begegnet sind. Deren Reaktionen auf ihren Rollstuhl, auf ihre Krankheit gibt sie heute zum Besten. Hier und da huscht ein amüsiertes Lächeln über die Gesichter. Bettina Unger beschreibt Erlebnisse, die jeder von den Zuhörern mit Sicherheit verstehen und nachvollziehen kann.

Draußen wartet Herr Wagner mit seinen Kolleginnen an der »Fühlstraße«. Mit einfachen Mitteln erklärt er den interessierten Besuchern die Auswirkungen der Krankheit auf den Körper. Da ist eine Schweißerbrille, die mit Kreppband abgeklebt ist, und für den Besucher den »Tunnelblick« eines an MS erkrankten simuliert. Es darf ausprobiert werden, ein Portemonaie mit dicken Handschuhen zu öffnen und ein paar Münzen zu entnehmen. Am Eindrucksvollsten für die Besucher ist die Luftmatratze auf dem Boden. Herr Wagner packt fest zu, wenn die Interessenten auf diese wackelige Unterlage treten und versuchen die Strecke bis zum Ende zu gehen. So fühlt es sich an, wenn ein an MS Erkrankter geht. Wenn die Nervenzellen in den Füßen und Beinen durch die Krankheit Schaden genommen haben, steht und geht der Patient nicht mehr sicher.

Herr Wagner hilft an der "Fühlstraße" und berichtet über seine Krankheit MS

Herr Wagner hilft an der „Fühlstraße“ und berichtet über seine Krankheit MS

Herr Wagner selbst bekam die Diagnose MS im Jahr 2001. Seitdem versucht er, unterstützt von seiner Familie und guten Freunden, sein Leben zu gestalten. Er hat Glück, er hat Menschen, die ihm zur Seite stehen. Von den derzeit rund 120 000 Menschen mit MS in Deutschland, sind viele auf Hilfe von außen angewiesen. Dieser Aufgabe widmet sich die im Jahr 1952 gegründete »Deutsche multiple Sklerose Gesellschaft e.V.«. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, Betroffene und ihre Familien zu beraten. Seminare und Fachvorträge sollen helfen, sich mit der neuen Lebensituation zurechtzufinden. Schulungen durch medizinisches Fachpersonal nehmen sich vieler Fragen an, die durch diese Erkrankung für die Patienten entstehen.

Allein in Berlin leben momentan etwa 4000 an MS erkrankte Menschen. In verschiedenen Selbsthilfegruppen stützen sie sich gegenseitig in ihren Anliegen. Rechtliche Fragen, Themen der Hygiene und Pflege, der Sexualität, es gibt sehr viel zu klären, wenn man von heute auf Morgen durch eine Krankheit wie MS aus seinem gewohnten Leben gerissen wird.

An diesem Nachmittag in Wilmersdorf stehen diese Fragen nicht im Vordergrund. Heute wird fröhlich gefeiert. Das harmonische bum, bum, bum di bum der Trommeln versetzt die Besucher des Festes und die Passanten in eine fröhliche und  unbeschwerte Stimmung.

 

Wer mehr Informationen zur DMSG wünscht, findet sie unter www.dmsg.de

 

 

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