Der mit dem Herzen spielt: Michel Petrucciani

buchcover petruccianivon: Carola Lymants

Der französische Philosoph Blaise Pascal sagt: »Der Gedanke macht die Größe des Menschen. « Er selber galt als einer der brilliantesten Köpfe seiner Zeit. Das Genie, die Größe eines Menschen, zeigt sich in vielen Facetten, so auch bei dem Jazzpianisten Michel Petrucciani. Einem kleinen Mann mit einem weiten Herzen für seine Musik und die Menschen, für die er spielte.

In seiner Biographie über den Jazzpianisten Michel Petrucciani zeigt der Verfasser Benjamin Halay einen Mann mit Ecken und Kanten. »Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit«, erzählt von einem rastlosen Menschen mit einem komplexen Charakter. Das Buch erscheint im Edel-Verlag in Hamburg und ist eine Hommage an einen großen Künstler.

Benjamin Halay, Jahrgang 1970 ist Musikwissenschaftler. Er arbeitet als Autor, Leiter einer Musikschule und Komponist. Weiterhin entnimmt man dem Klappentext, dass Halay Gründer eines Jazzfestivals ist, und mit Michael Petrucciani fünf Jahre lang zusammenarbeitete. Er kennt den „Typen“ Petrucciani aus nächster Nähe, und so ist Halay ein Buch gelungen, genauso vielschichtig wie der Mensch, den er beschreibt.

Auf dem in Türkis und schwarz gehaltenen Cover blickt Petrucciani am Betrachter vorbei, direkt in Richtung der Seiten. Es wirkt wie eine Aufforderung, das Buch aufzuklappen. Man ahnt, wie er auf seine unnachahmliche Weise den Leser auffordert: »Eh, mach schon, da drinnen gibt es mehr über mich zu erfahren«. Ja, und wirklich, auf den etwa 280 Seiten, auf kräftigem Papier und mit zahlreichen schwarzweißen Fotografien aus dem Leben des Künstlers, erlebt der Leser ein wahres Feuerwerk an Informationen und Inspirationen. »Ich habe mein Buch in der Art eines Jazzstandards konstruiert, mit einer Einleitung, dem Hauptthema mit Variationen und einer Coda“, schreibt der Autor. Ein Buch für ausgewiesene Jazzkenner und Spezialisten? Ja und nein!

Jazzfans werden viele Namen finden, die sie kennen. Bill Evans, Freddie Hubbard, Joe Henderson und viele andere. Jazzgrößen, mit denen Michel Petrucciani spielte oder sich auf ihre Musik und Interpretationen stützte. Wem diese Namen nicht geläufig sind, wird mit Hilfe dieses Buches schnell einen Einstieg in die Welt des Jazz finden.

Michel Petrucciani wurde mit dem Gendefekt „Osteogenesis imperfecta“ (Glasknochenkrankheit) am 28. Dezember 1962 geboren. Ein Franzose mit italienischen Wurzeln. Sein Vater Tony war Sizilianer, die Mutter Anna Französin. Sein Leben begann mit Schmerzen. Bei der Geburt brachen etliche Knochen in seinem winzigen Körper.

Bereits mit vier Jahren wurde sein musikalisches Talent sichtbar. Er bekam von seinem Vater ein Klavier und Unterricht. Zunächst im klassischen Stil. Chopin und Franz Liszt waren seine Vorbilder. Sein Herz schlug jedoch für den Jazz. So wurde er zu einem begnadeten Jazzpianisten. Kollegen, Publikum und Freunde bezeichnen ihn als Genie.

Er führte ein rastloses Leben, nahm sich selber nie zu ernst, war ein Frauenheld, versuchte sich an verschiedenen Drogen. Er tourte um den gesamten Globus. Über 100 Konzerte gab er pro Jahr. Petrucciani war der erste Europäer, der beim Plattenlabel „Blue Note“ unter Vertrag genommen wurde. Eine besondere Auszeichnung.

Am Ende jedes Konzerts schloss er leise den Klavierdeckel. Zum letzten Mal tat er dies im Januar 1999. Der 6. Januar dieses Jahres war für die Jazzwelt ein trauriger Tag. Mit nur 36 Jahren starb Michel Petrucciani an den Folgen einer Lungenentzündung. Dieser kleine, lebensfrohe Mann mit Hang zur Komik und einem großen Herzen liegt auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben. In unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Idol Frédéric Chopin.

Fazit: Wertschätzung und Dankbarkeit stecken zwischen den Zeilen. Ein lesenswertes Buch für jeden Jazzfan und für den, der es werden will.

Das Buch ist erschienen im Edel-Verlag, Hamburg

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