Der Aspekt der Solidarität ist neu?

Zum Abschluss des Europäischen Jahres für aktives Altern und der Solidarität zwischen den Generationen

In Rom findet alle 25 Jahre das „Heilige Jahr“ statt. Ursprünglich sollte es ab 1300 nur alle 100 Jahre stattfinden und den Gläubigen einen Generalablass auf ihre Sünden erteilen. Man verkürzte das zunächst auf 50 und dann auf 25 Jahre. Der Sünden gibt es eben viele in der Welt. Wenn in Rom das Heilige Jahr zu Ende geht, schlägt der Papst die Heilige Pforte am Petersdom demonstrativ zu. Aus die Maus, das war’s. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Weit weniger spektakulär ging am 10. Dezember in Berlin das Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generation zu Ende. Ganz ohne Türknallen, dafür mit beachtlichen Ergebnissen. Eine Vielzahl von Initiativen, Projekten, Personen hatten sich ein Jahr lang um ein solidarisches Miteinander der Generationen bemüht. 45 Projekte wurden vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Für Prof. Dr. Ursula Lehr, der Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), war das Europäische Jahr erfolgreich. „Was neu war in diesem Jahr und wozu dieses Jahr beigetragen hat, ist der zweite Satz: Nicht nur aktives Altern, sondern Solidarität zwischen den Generationen und ich würde ergänzen, auch innerhalb der eigenen Generation“, erklärt sie während der Podiumsdiskussion. Ihrer Meinung nach ist der Aspekt der Solidarität neu. „Das kann man auf einen Nenner bringen: Um halbwegs vernünftig alt zu werden, gehört einmal Eigenverantwortung, selbst etwas tun, körperlich aktiv bleiben, geistig aktiv bleiben, Sozialkontakte halten und es gehört dazu die Mitverantwortung, etwas für andere zu tun“, gibt sie den Tagungsteilnehmern mit auf den Weg.

Hätte sie Themen, mit denen wir uns in Zukunft beschäftigen sollten? „Da sehe ich ganz viele Themen“, betont sie. „Wir haben ja viele ältere – und auch mittelalterliche und jüngere – Bürger, die gerne etwas tun wollten, nur nicht genau wissen, wie und wo.“ Zunächst müsse man also untersuchen, wo die Barrieren sind, die Menschen davon abhalten, sich zu engagieren. Die BAGSO hat Stadtteiluntersuchungen durchgeführt, um diese Barrieren aufzuspüren. Dem Einen ist es zu weit weg, der Andere hat nicht so viel Zeit oder die Termine liegen schlecht. „Hier muss man Wege finden, die das den Leuten, die gern tätig sein möchten, erleichtert“, verlangt Lehr.

Bei geförderten Projekten muss auch die Frage nach den Kosten erlaubt sein. „Weniger als fünf Millionen in der gesamten Europäischen Union“, sagt Matthias Peschke, Leiter der EU-Kommission in Berlin. In Deutschland wurden 900.000 Euro für die Förderung der Projekte ausgegeben, weiß Dieter Hackler vom BMFSFJ. Allerdings sind bei diesen Zahlen eine ganze Reihe von Kosten nicht erwähnt. So wurden zum Beispiel viele Drucksachen über die Pressestellen, viele Werbematerialien über die Fonds der Fachabteilungen abgerechnet. Dennoch, insgesamt war das Jahr für relativ wenig Geld zu haben. Prinzipiell ist aber mehr davon auf Dauer nötig, um Projekte tragfähig zu machen. Der Sozialdezernent der Stadt Leipzig, Thomas Fabian, wäre schon froh, wenn er den Ehrenamtlichen wenigstens die Straßenbahnkarte für ihren Einsatz bezahlen könnte.

In Rom werden alle 25 Jahre die Sünden vergeben und vergessen. Das ist auch so ein Unterschied zum abgelaufenen Europäischen Jahr. Die Senioren werden keinen Ablass für ihre Forderungen für die nächsten 25 Jahre ausstellen. Und vergessen werden sie die vielen Versprechungen in diesem Jahr wohl auch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.