Dann nehmen Sie doch einfach Windeln …

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Skandal, als ein prominenter französicher Schauspieler, der inzwischen ein Russe ist, mangels freier Toilette einfach in den Gang eines Flugzeugs gepieselt hat? Sein Pech war nicht die besetzte Toilette oder der reichliche Genuss flüssiger Nahrung, nein, er hatte einfach nur bei der falschen Airline gebucht. Wäre er doch zu Air Berlin gegangen. Dort kennt man sich gut mit dem Problem aus und hat auch gleich den passenden Ratschlag zur Hand: “Dann nehmen Sie doch einfach Windeln!” Marianne Kunert erzählt unserem Reporter Dominik Peter die ganze Geschichte:

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(Moderation: Sven Przibilla)

 

Thema Begleitperson

Air Berlin:
Auf Grundlage der Sicherheitsvorschriften von Air Berlin sieht die Fluggesellschaft im Regelfall für jeden WCHC-Passagier (gehunfähiger Fluggast) bis zu zwei Begleitpersonen vor.

EG-Verordnung Nr. 1107/2006:
Im Artikel 4 (2) heisst es hierzu: Unter den … genannten Bedingungen darf ein Luftfahrtunternehmen … verlangen, dass ein behinderter Mensch oder eine Person mit eingeschränkter Mobilität von einer anderen Person begleitet wird, die in der Lage ist, die Hilfe zu leisten, die dieser behinderte Mensch oder diese Person mit eingeschränger Mobilität benötigt.

Fazit:
Die EG-Verordnung sieht nur eine Begleitperson vor. Air Berlin fordert als Regelfall hingegen zwei Begleitpersonen.

Thema Bordtoilette

Air Berlin:
Es werden keine Bordrollstühle auf der Kurzstrecke angeboten. Die Mitnahme eines Bordrollstuhls durch den Passagier wird verweigert.

EG-Verordnung Nr. 1107/2006:
Der Anhang II der EU-Verordnung listet die Pflichten auf, die Flugunternehmen erbringen müssen. Die ist auch: “Erforderlichenfalls Hilfe, um zu  den Toiletten zu gelangen”.

Fazit:
Entgegen der EG-Verordnung werden behinderte Passagieren Hilfeleistungen verweigert, um die Bordtoilette aufzusuchen.

(zitiert nach: Berliner Behindertenzeitung, Ausgabe März 2013, S. 10)

2 Gedanken zu “Dann nehmen Sie doch einfach Windeln …

  1. Liebe Redaktion,
    danke , dass Sie mein Interview gesendet haben. Ich habe es mir eben angehört. Leider waren andere öffentliche Medien, wie Talk Shows und B.Z. an dem Thema “Air Berlin-barrierefreies Fliegen”, nicht interessiert. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Wenn Herr Wowereit im Rollstuhl wäre, würde die Reaktion der Medien wohl anders ausfallen. Leider bin ich nicht prominent, was in meinem Fall ein echtes Defizit ist. Aber wie auch immer; Ihr Bericht und der in der Berliner Behindertenzeitung sind auf jeden Fall hilfreich für alle Betroffenen. Wenn mir AirBerlin auf meinen Beschwerdebrief antwortet, informiere ich Sie.

    Herzliche Grüsse,
    Marianne Kunert

    • Der Fall Kunert zieht immer weitere Kreise. Inzwischen hat das Portal RollingPlanet eine Aktion gestartet und aufgerufen, eine volle Windel an Air-Berlin zu schicken. Wir finden, das ist eine sehr drastische Maßnahme, aber manchmal kann man sich nun einmal nicht anders Gehör verschaffen. Fehler werden überall gemacht, aber einen solchen fauxpax einfach totzuschweigen, hilft ja nun auch nicht. Wir sind gespannt auf die Reaktion der Leser von Rolling Planet und noch viel mehr auf die Reaktion von Air Berlin.

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