Besondere Hilfe für Menschen mit erworbenen Hirnschäden

2014-02-18-mehEine Einrichtung in Rüdersdorf und Berlin-Köpenick hat sich auf diese Klientel spezialisiert
„Ja gut. Auweia. Wie heißt das?“ Frank Bigalke, 53 Jahre alt, hat einen etwas eingeschränkten Wortschatz. Immer wieder sucht er die passenden Vokabeln. Er weiß genau, da gab es ein Wort, das genau diesen Sachverhalt beschreibt, den er benennen möchte. Es fällt ihm einfach nicht ein. „Wie heißt das“, fragt er ungeduldig seine Tochter Anne (29).

Frank Bigalke ist ein sogenannter Mensch mit erworbenen Hirnschäden (MeH). Erwerben kann man diese Schäden zum Beispiel durch einen Unfall, eine Krankheit oder wie in seinem Fall durch einen Schlaganfall. Allen diesen Fällen ist gemein, dass sie jeden Menschen treffen können und das sich das Leben der Betroffenen radikal ändert. Alle haben einen mehr oder weniger stabilen Lebenslauf bis zu dieser Zäsur im Leben. In Deutschland erleiden jedes Jahr bis zu einer Viertelmillion Menschen solche Schäden des Zentralen Nervensystems. Bigalke leidet seit dem Schlaganfall an einer partiellen Lähmung und an einer Aphasie.

Bis zu seinem schweren Schlaganfall war er selbstständiger Getränkelieferant. Immer musste er sich behaupten und durch so manches Problem durchbeissen.  Jetzt helfen ihn diese Eigenschaften. Er durchläuft eine umfangreiche Therapie: Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie sind inzwischen feste Bestandteile seines Lebens geworden. „Seine Sprechfähigkeit und das Verstehen von Wörtern ist wesentlich besser geworden“, behauptet Anne, die Tochter.

Bigalke hat große Ziele. Sein Schlaganfall war am 13. November 2009. Seit 2010 wohnt er in einer Einrichtung der RC Partner für Reintegration und Chancengleichheit e.V. in Rüdersdorf bei Berlin. Gemeinsam mit seiner Tochter und den Betreuern der Einrichtung ist seine Rehabilitation soweit fortgeschritten, dass er sich fest vorgenommen hat, in spätestens einem Jahr in einer eigenen Wohnung zu wohnen. Er fühlt sich wohl in seiner Einrichtung, aber selbstbestimmt zu leben ist für einen Menschen wie ihm unabdingbar. Er möchte am liebsten wieder nach Pankow, dort war sein Garten und dort hat er bis zu seinem Schlaganfall gelebt. Seine Tochter möchte lieber, dass er in Köpenick wohnt, dort hat der RC-Verein unlängst eine Zweigstelle eröffnet und dort könnte er immer mal wieder vorbei schauen. Er kennt die Leute und die Abnabelung wäre nicht so abruppt. Es werden wohl noch einige Sätze zwischen Vater und Tochter gesprochen werden, bis es soweit ist.

Der Verein RC ist in Berlin und Brandenburg an insgesammt 20 Standorten tätig. Einer davon befindetet sich in Berlin-Köpenick. 24 Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen können betreut werden, berichtet Miriam Wappler, die Verantwortliche für Projektentwicklung. Und im Augenblick sind auch noch einige Plätze frei, eine Nachfrage lohnt sich also.

„Ja gut“, sagt Frank Bigalke, der eigentlich Frankie genannt werden will, mit fester Stimme. „Wie heißt das? Laufen. Übung.“ Er sucht wieder nach den passenden Worten: „Übung macht den Meister!“. Bigalke ist ein sehr sympatischer Mensch, er wird seinen Weg mit der Hilfe der Betreuer und der Tochter gehen. Miriam Wappler jedenfalls ist überzeugt, dass er sein Ziel, eine eigene Wohnung zu beziehen, schaffen wird.

(Siegurd Seifert, Veröffentlicht in der Berliner Behindertenzeitung 03/2014, Seite 5)

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