Beim Arzt zusätzlich zahlen?

Immer häufiger werden in Arztpraxen Leistungen angeboten, die die Patienten selbst zahlen müssen. Sie heißen Individuelle Gesundheitsleistungen oder kurz IGeL. „Dass diese Leistungen nicht von den Kassen bezahlt werden müssen, hat gute Gründe “, sagt Christian Weymayr. Der promovierte Biologe und Wissenschaftsjournalist ist Redakteur des im Januar 2012 an den Start gegangenen Internet-Informationsportals Igel-Monitor. Hinter dem Portal steht der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS).

IGeL

Welche IGeL sind sinnvoll?

„Eine medizinische Leistung ist dann sinnvoll, wenn sie notwendig ist und ihr Nutzen den Schaden überwiegt.“ heißt es im Igel-Monitor. Leistungen, für die ein wissenschaftlicher Beleg zum Nutzen erbracht wurde, sind deshalb Bestandteil des Leistungskataloges der Krankenversicherer und werden erstattet. Zu den IGeL gehören Leistungen ohne Krankheitshintergrund, wie zum Beispiel die medizinische Beratung vor Fernreisen, gutachterliche Bescheinigungen für Tauglichkeitsuntersuchungen oder kosmetische Operationen. Sie werden von den Versicherten selbst nachgefragt und sind daher im Einzelfall auch sinnvoll. Anders kann es sich bei IGeL mit medizinischer Zielsetzung verhalten, die den Patienten von den Ärzten angeboten werden. Das sind Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten, wie zum Beispiel der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung oder bestimmte Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel die operative Behandlung des Schnarchens. „Für die meisten IGeL ist der Nutzen nicht belegt“, weiß Weymayr. Das Team des Igel-Monitors hat verschiedene IGeL unter die Lupe genommen. In einer wissenschaftlichen Bewertung wurde ermittelt, ob der Nutzen einer IGeL schwerer wiegt als ein möglicher Schaden oder umgekehrt. Die Ergebnisse der Bewertung kann sich jedermann im IGeL Monitor ansehen. „Es gibt mehre hundert IGeL. Wir haben für unsere Bewertungen diejenigen ausgewählt, die von Ärzten häufig angeboten oder von Versicherten häufig nachgefragt werden. Unser Ziel ist, dass die Versicherten eine informierte Entscheidung treffen können, wenn ihnen eine IGeL angeboten wird.“ erklärt der Wissenschaftsjournalist.

Was tun bei einem IGeL-Angebot? IGeL sind keine Leistungen, die sofort erbracht werden müssen. Wer beim Arzt eine solche IGeL angeboten bekommt hat Zeit, in Ruhe darüber nachzudenken und sich zu informieren, ob er diese Leistung überhaupt in Anspruch nehmen möchte. „Man sollte sich zu einer IGeL nicht drängen lassen“, rät Weymayr. Jeder Patient sollte sich vom Arzt genau erklären lassen, welche Vor- und Nachteile eine vorgeschlagene IGeL für ihn hat. Außerdem muss der Arzt vor der Leistung über die Kosten informieren und eine schriftliche Vereinbarung muss unterzeichnet werden.

TIPPS AUS DEM NETZ

  • http://www.igel-monitor.de
    Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) klärt über IGeL auf und bewertet das Nutzen-.Schaden-Verhältnis verschiedener IGeL auf wissenschaftlicher Grundlage.
  • http://www.igel-check.de
    Die Broschüre „Selbst zahlen?“ von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. enthält für Versicherte eine Checkliste als Entscheidungshilfe.
  • http://www.vz-nrw.de/igel-aerger
    Das Portal der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sammelt Erfahrungen von Patienten mit IGeL.