Alter Wein im neuen Schlauch?

Die Lankwitzer Werkstätten heißen ab 1. Januar 2014 LWerk

Jetzt ist es also amtlich. Der neue Name der Lankwitzer Werkstätten lautet ab 1. Januar 2014 „FSD Lwerk Berlin-Brandenburg gGmbH“. Da so eine Umbenennung mit erheblichen Kosten einhergeht, ist die Frage erlaubt, wozu und warum solch ein Aufwand betrieben wird.

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Burghard Gründel zerlegt fachmännisch Elektronikschrott in der Receycling-Abteilung des LWerks im Bücklersfelder Weg in Marzahn

„Es handelt sich um keine kosmetische Korrektur“, betont Öffentlichkeitsarbeiter Stephan Kersten von den jetz noch Lankwitzer Werkstätten. „Der Begriff Werkstatt ist nicht mehr zeitgemäß. Unser Selbstverständnis hat sich gewandelt.“

Und tatsächlich, die innere Entwicklung in einer Werkstatt ist in großen Schritten voran geschritten. Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind wirtschaftlich orientierte mittelständische Unternehmen geworden, in denen professionelle Dienstleistungen angeboten und marktfähige Produkte gefertigt werden. Die Produktion unterliegt den Gesetzen des Marktes, einziger Unterschied ist der geschützte Rahmen und die Bezahlung der Werkstättenmitarbeiter.

Dieser Entwicklung steht allerdings die Außendarstellung entgegen. In der öffentlichen Wahrnehmung sind Werkstätten für behinderte Menschen nach wie vor Orte der Aufbewahrung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen. Bei Betriebsbesichtigungen staunen die Besucher dann immer wieder über die qualitativ hochwertige Arbeit, die dort verrichtet wird. Viele der Werkstättenmitarbeiter vermeiden deshalb, sich als Mitarbeiter in einer solchen Werkstatt zu outen. Auch dieser Tendenz wird durch einen neutralen Namen entgegengewirkt. Zukünftig werden sie also von sich sagen, dass sie im Lwerk arbeiten. Und da dieser Begriff als Marke ausgebaut und etabliert werden soll, wird wohl auch bald jedermann etwas damit anfangen können. In der Goltzstraße gibt es bereits einen Design-Laden mit dem Namen „Lwerk“, der unter diesem Label Produkte verkauft.
Wird das Unternehmen in der Berliner Werkstättenlandschaft seine Identität verlieren? Nachdem jüngst die Kompass-Werkstatt hinzugekommen ist, gibt es in Berlin immerhin 18 anerkannte Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, die an weit über 70 Standorten in Berlin und inzwischen auch im Umland tätig sind. Das Lwerk wird sich ihren Platz neu erkämpfen müssen. Sie werden zukünftig mehr über ihre Dienstleistungen und Produkte wahrgenommen werden, als über die Tatsache, ein Unternehmen der Behindertenhilfe zu sein.

Diese Veränderung geht einher mit dem generellen Wandel einer Werkstatt. Bereits im Jahr 2011 hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in ihrem Positionspapier „Maßarbeit“ eine Öffnung der Werkstatt angemahnt. Das Lwerk realisiert das über persönliche Budget, Vorbereitungen für den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt und der Ausbildung im Berufsbildungsbereich bereits jetzt. Aber natürlich: Auch das ist noch ausbaufähig.

(Autor: Siegurd Seifert, Veröffentlicht in der Berliner Behindertenzeitung 12/13-01/14, S. 12)

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